Pinnen, Poesie und Himbeeren: Pinterest


Mitte der 1970er Jahre, als ich in den Kindergarten ging, gab es keine Heim-PCs, kein Internet, keine sozialen Medien, kein Pinterest, kein Facebook und kein Mobiltelefon. Zu den Elektrogeräten bei uns zu Hause zählten aber immerhin eine Trockenhaube, ein Mixer und ein Farbfernseher.

 

Fürs Festnetztelefon wurde noch wortreich geworben:

Wer Telefon hat, ist nie allein.

„Wer Telefon hat, ist nie allein.“

 

Im Kindergarten begann ich Bilder zu sammeln. Selbstgemalte, selbstverständlich, aber auch andere. Hauptsächlich Illustrationen und Werbefotos, die ich aus alten Zeitschriften meiner Mutter ausschnitt. Anscheinend interessierten mich damals vor allem Getränke – und Himbeeren. Unter den Getränken vor allem für Kinder verbotene: Rum, Cocktails und Kaffee. Zu Hause gab es nur Caro-Kaffee, einen relativ grauslichen Malzkaffee. Himbeeren waren natürlich erlaubt und sind immer noch mein Lieblingsobst.

 

Pinnen, Poesie und Himbeeren

 

Dass ich keine Crêpes mit Himbeeren im Programm habe, liegt übrigens einfach daran, dass ich die beste Bio-Himbeer-Marmelade bis jetzt nicht gefunden habe. (Geheimtipps willkommen!)

Die ausgeschnittenen Bilder trug ich in der Kindergartentasche immer mit mir herum und zeigte meine Sammlung stolz den KindergartenfreundInnen, Tanten und allen, die sich sonst noch dafür interessierten. Ob auch Bilder getauscht wurden, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfall hatte ich also eigentlich damals schon Pinterest – eine mobile, eigenwillig kuratierte Bildersammlung medialer Bilder aus der Erwachsenenwelt, vermischt mit meinen Kinderzeichnungen. Eine bunte Kompilation kindlicher Vorstellungen, geteilter Wünsche und heimlicher Interessen. In der Schule kamen noch die „Poesiealben“ dazu, die als Vorläufer von Facebook Sprüche, Zeichnungen und manchmal auch Fotos von FreundInnen enthielten. Wer beliebt (well liked) war, durfte etwas hineinschreiben.

Diese alten Geschichten fielen mir beim Anlegen von neuen Alben auf Pinterest wieder ein. Hier geht’s direkt zu den frisch erstellten sûrprise, sûrprise! Pinnwänden. Und das postmoderne Poesiealbum braucht auch noch ein paar Likes: sûrprise, sûrprise! auf Facebook. Dort findet ihr sogar einen Bericht über Galettes auf Leinwand. Alles sehr malerisch. Damit es nicht immer nur ums Essen und Trinken geht.

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