Über die Schürze


Kürzlich brachte mir der liebe Klaus Rink von Yukatas Andmore eines schönen Freitags – sûrprise, sûrprise! – eine ganz besondere Schürze mit auf den Kutschkermarkt. Ich band sie mir um, et voilà, seitdem nehm ich keine andere mehr: sie ist einfach die allerbeste. Aber wie es dazu kam, das ist eine längere Geschichte. Alorsécoutez bien:

 

Vom Rock zur Schürze

 

Auf seinen Asien-Reisen hält Klaus immer Ausschau nach Stoff von Batik Ratna Dewi in Pekalongan. Pekalongan ist eine Stadt auf der indonesischen Insel Java mit langer Batik-Tradition: Dort werden seit Jahrhunderten aufwendig bedruckte Textilien hergestellt. Auf Märkten von Bangkok bis Mandalay verkaufen indische Händler die Stoffe, aus denen meist Sarongs genäht werden. In vielen Ländern Asiens tragen sowohl Männer als auch Frauen Wickelröcke unter den Bezeichnungen Sarong, Dhoti oder Sampot. Klaus hat schon fast die ideale Bindevariante herausgefunden – wem’s zu  mühsam ist, sich’s auf Youtube anzuschauen, das geht ungefähr so: Stoffschlauch überstreifen, lechts und rinks flinks überschlagen, in der Mitte drehen und die Enden oben reinzwirbeln. Aber es gibt ja neben dem Wickelrock noch viel mehr Universalgewand, und zwar nicht vom Universalversand.

Seit 2011 näht Nina Wiplinger in ihrem Salon:Fähig aus den wunderschönen Baumwoll-Batikstoffen Sommerkimonos – auf Japanisch Yukata. Daher heißt das Label von Nina und Klaus auch Yukatas Andmore. Und wie der Sarong ist die Yukata ein Kleidungsstück mit breitem Verwendungsspektrum: vom Bademantel oder Morgenrock übers Hauskleid bis hin zum Schlafanzug. Neben Yukatas gibt es im Salon:Fähig allerhand Gestricktes und interessante Kombinationen aus Batikstoff und Strick zu bestaunen und zu kaufen. Und natürlich Schürzen auf Bestellung.

 

Eigentlich habe ich ja ein skeptisches Verhältnis zu Schürzen. In der katholischen Mädchenschule mussten wir von der ersten bis zur vierten AHS-Klasse im Unterricht eine hellblaue Kunststoff-Schürze über der Faltenrock-Schuluniform tragen. Nicht etwa im Kochunterricht! Höchstens vor Tafelkreidenstaub hätt uns die Schürze in der Mathestunde schützen können. Also eindeutig ein Mittel und Zeichen von Unterdrückung. Die Weigerung, die Schürze umzubinden, wurde demnach auch bestraft. Interessanterweise wurde ich meistens vom Biologielehrer beim Schürzenstreik erwischt und rächte mich später für seine Strafarbeiten, indem ich bei ihm in seinem Nebenfach Chemie maturierte. Bei manchen für ihn unkalkulierbaren Färbe-Experimenten im Chemiesaal schlüpfte er schließlich auch in seinen Laborkittel. Die Maturafragen waren dementsprechend: Haushaltschemikalien. Ich schäumte und zog seitdem weder zum Kochen noch zum Putzen eine Schürze an. Non serviam.

 

 

Färbe-Experimente

 

An diese und andere alte Geschichten dachte ich wieder, als ich mich mit Klaus über Schürzen, Stoffe und traditionelle Textiltechniken unterhielt. Plötzlich fiel mir auch noch ein, dass ich sogar vor vielen Jahren in einer Wiener Volkshochschule die Ikat-Technik kennengelernt hatte. Ikat ist eine sehr komplexe Handwerkskunst, bei der Muster abgebunden, Fadenstränge mehrmals in verschiedenen Farbtönen gefärbt und dann verwebt werden. Ich bin dabei nicht sehr weit gekommen. Aber ich kann mir den Entstehungsprozess vielleicht ein bisschen besser vorstellen. In Kambodscha wäre diese Tradition fast verloren gegangen. Sie wurde erst in den letzten Jahren von Kikuo Morimoto und seinem Institute for Khmer Traditional Textiles mit der schönen Web-Adresse iktt.esprit-libre.org wiederbelebt. Goldgelbe Rohseide wird von den WeberInnen mit Naturfarben gefärbt, die aus Kokosnussschalen, Insektenkokons oder bestimmten Baumblättern gewonnen werden. Für ihre Webmuster haben sie keine Vorlagen, sie gestalten sie frei nach ihren Vorstellungen. 2013 hat Klaus das Dorf mitten im Wald besucht, während dort ein Dokumentarfilm gedreht wurde. Letzte Woche hat er den Film im Konzertcafé Schmid Hansl (ums Eck vom Kutschkermarkt) gezeigt.

 

Zurück auf den Markt: Meine bunte Schürze ist ein praktischer Camouflage-Anzug. Elegant verstecken sich Crêpeteig-Flecken im Schürzenmuster. Niemals würde ich eine weiße Schürze tragen, vielleicht gar mit Rüschen. Im bunten Marktleben bin ich lieber ein javanischer Paradiesvogel als ein schwarzer Schwan in Servieruniform.  Ratna Dewi: Sûper!

 

 

PS: Neue Stoffe sind im Salon:Fähig frisch eingetroffen! Herzlichen Dank an Nina und Klaus für die Vorführung.

 

 

 

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